FCH erlebt gegen Esslingen ein Debakel
Nach ordentlichem Beginn verliert der 1. FC Heiningen gegen den Tabellenführer völlig den Zugriff und unterliegt mit 2:10. Vor allem die Art und Weise in der Schlussphase muss ein Weckruf für die kommenden Aufgaben sein.
Einen Nachmittag zum Vergessen erlebte der 1. FC Heiningen im Heimspiel gegen den FC Esslingen. Gegen den Tabellenführer musste sich der FCH am Ende deutlich mit 2:10 geschlagen geben. Dass Esslingen über enorme individuelle Qualität verfügt und zu den stärksten Mannschaften der Liga zählt, war bereits vor der Partie bekannt. Dennoch darf die Höhe der Niederlage aus Heininger Sicht nicht einfach mit der Stärke des Gegners erklärt werden. Vor allem in der zweiten Halbzeit und insbesondere in der Schlussphase fehlten dem FCH die nötige Konsequenz, Widerstandsfähigkeit und Geschlossenheit.
Dabei begann die Begegnung zunächst keineswegs so, als würde sie in einem Debakel enden. Zwar hatte Esslingen bereits nach zwei Minuten durch Florian Nikl die erste große Möglichkeit, doch Heiningen zeigte anschließend einen ersten guten Angriff über Bent Hofele. In der zehnten Minute schlug der Tabellenführer allerdings erstmals zu. Ein Ball hinter die Heininger Defensive brachte Nikl auf die Reise, dessen Querpass Marcel Sichwardt zum 0:1 verwertete. Esslingen zeigte anschließend, weshalb die Mannschaft an der Tabellenspitze steht. Die Gäste kombinierten sicher, spielten mit hohem Tempo und fanden immer wieder Lösungen. Heiningen hielt zunächst dagegen, brachte offensiv allerdings zu wenig Entlastung zustande. Nach einem Freistoß von der Seite erhöhte Tim Hannak in der 21. Minute auf 0:2.
Zusätzlich musste der FCH einen personellen Rückschlag verkraften. Luca Erhart konnte verletzungsbedingt nicht weitermachen und wurde nach einer halben Stunde durch Vincenzo Palmieri ersetzt. Bereits vor der Partie war Kapitän Justin Hrabar ausgefallen, nachdem er sich im Abschlusstraining am Knie verletzt hatte. Außerdem fehlten verletzungsbedingt nach wie vor Carmelo Trumino, Tom Glaser, Tamer Demiral und Tom Weihler, sowie Berk Baybüyük der privat verhindert war. Trotz der schwierigen Voraussetzungen hielt Heiningen die Partie zunächst einigermaßen offen. Torhüter Bopp verhinderte in der 37. Minute gegen den frei durchgebrochenen Nikl noch das dritte Gegentor. Drei Minuten später war allerdings auch er machtlos. Nikl tauchte erneut frei vor dem Heininger Tor auf und vollendete diesmal zum 0:3-Halbzeitstand.
Wer nach dem Seitenwechsel eine Reaktion gefordert hatte, bekam sie zunächst zu sehen. Nur zwei Minuten nach Wiederbeginn setzte sich Giuseppe Pirracchio im Strafraum stark gegen mehrere Gegenspieler durch und erzielte sehenswert das 1:3. Es war genau das Zeichen, das der FCH zu diesem Zeitpunkt benötigte. Plötzlich war wieder Energie vorhanden und Heiningen versuchte, den Tabellenführer stärker unter Druck zu setzen. Doch diese Phase hielt nicht lange an. Nach einem schnell ausgeführten Einwurf köpfte Enes Isik in der 56. Minute zum 1:4 ein. Zuvor hatte Bopp bereits zweimal stark retten müssen. Heiningen antwortete nochmals. Pirracchio scheiterte zunächst am Esslinger Schlussmann, ehe Alexander Meyer bei der anschließenden Ecke zu Fall gebracht wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelte Dennis Kleber sicher zum 2:4. Spätestens jetzt hätte es darum gehen müssen, die Partie wieder zu beruhigen, kompakt zu bleiben und den Gegner zumindest vor eine schwierige Schlussphase zu stellen. Stattdessen kassierte der FCH praktisch im direkten Gegenzug das 2:5 durch David Micko. Dieser Treffer war der Wendepunkt hin zu einem Nachmittag, über den intern gesprochen werden muss. Nicht, weil man gegen einen starken Tabellenführer verlieren kann, sondern wegen der Art und Weise, wie sich die Mannschaft anschließend präsentierte. In der 67. Minute erhöhte Louis Majhen auf 2:6. Enes Isik stellte sechs Minuten später auf 2:7. Heiningen fand defensiv kaum noch Zugriff und Esslingen bekam immer mehr Räume. Der FCH schaffte es nicht mehr, gemeinsam zu verteidigen und die Partie zumindest in geordneten Bahnen zu Ende zu bringen. Dabei bot sich durch Safa Gürbüz in der 76. Minute sogar noch eine gute Gelegenheit auf den dritten Heininger Treffer. Doch auch diese Chance verpuffte. Was danach folgte, darf der Mannschaft des 1. FC Heiningen so nicht passieren. In den letzten zehn Minuten erzielte Esslingen noch drei weitere Treffer. Lenny Prediger traf in der 80. und 87. Minute, ehe Marcel Sichwardt mit seinem zweiten Treffer des Tages in der 90. Minute den 2:10-Endstand herstellte.
Über die Qualität des FC Esslingen muss nicht diskutiert werden. Der Tabellenführer zeigte eindrucksvoll, wie konsequent Fehler und nachlassende Ordnung auf diesem Niveau bestraft werden. Trotzdem darf das keine Erklärung für zehn Gegentore im eigenen Stadion sein. Gerade nach dem zwischenzeitlichen 2:4 hatte der FCH gezeigt, dass er auch gegen diesen Gegner offensive Akzente setzen kann. Umso ärgerlicher ist es, dass anschließend die Stabilität komplett verloren ging. Wenn eine Partie nicht mehr zu gewinnen ist, müssen andere Tugenden greifen: füreinander laufen, Zweikämpfe annehmen, Räume schließen und gemeinsam verhindern, dass aus einer Niederlage ein Debakel wird.
Genau das gelang an diesem Nachmittag nicht ausreichend. Das Ergebnis muss deshalb ein Weckruf sein. Nicht, um jetzt alles infrage zu stellen. Und auch nicht, um nach einer herben Niederlage auf einzelne Spieler zu zeigen. Vielmehr muss die gesamte Mannschaft die richtigen Schlüsse daraus ziehen. In dieser Liga reicht fußballerische Qualität allein nicht. Es braucht über 90 Minuten Konzentration, Konsequenz, Laufbereitschaft und die Bereitschaft, auch in schwierigen Phasen gemeinsam Widerstand zu leisten.
Eine 2:10-Niederlage tut weh. Entscheidend ist nun, was die Mannschaft daraus macht. Die passende Antwort darauf kann nicht in Worten erfolgen, sondern nur auf dem Platz. Und genau diese Antwort muss der FCH in den nächsten Spielen geben.
1.FC Heiningen: Bopp, Tim Glaser, Mayer (62. Schubarth), Provenzano (82. Fernandez), Erhart (30. Palmieri), Kleber, Meyer, Hofele, Pirracchio, Anicic (52. Ascherl), Vincek (70. Gürbüz
Tore: 0:1 Marcel Sichwardt (10.), 0:2 Tim Hannak (21.), 0:3 Florian Nikl (40.), 1:3 Giuseppe Pirracchio (47.), 1:4 Enes Isik (56.), 2:4 Dennis Kleber (59. Foulelfmeter), 2:5 David Micko (60.), 2:6 Louis Majhen (67.), 2:7 Enes Isik (73.), 2:8 Lenny Prediger (80.), 2:9 Lenny Prediger (87.), 2:10 Marcel Sichwardt (90.)
Schiedsrichter: Moritz Herr (Stuttgart)
Zuschauer: 130





