FCH verspielt Zwei-Tore-Führung und verliert in letzter Minute.
Bitterer Rückschlag im Derby. Der 1. FC Heiningen gibt beim TSV Bad Boll eine komfortable Führung aus der Hand und muss sich nach einer enttäuschenden zweiten Halbzeit mit 2:3 geschlagen geben. Drei Gegentore in der Schlussviertelstunde bringen die Schwarz-Gelben um wichtige Punkte.
Dabei hätte die Partie für den FCH kaum besser beginnen können. Die Mannschaft von Trainer Dominik Mader erwischte einen guten Start und ging bereits in der dritten Minute in Führung. Tom Weihler chippte einen Freistoß gefühlvoll über die Boller Abwehr, Carmelo Trumino startete im richtigen Moment und überwand den Torhüter mit einem sehenswerten Heber. Mit der frühen Führung im Rücken kontrollierten die Heininger zunächst das Geschehen und bauten ihren Vorsprung auf 2:0 aus. Trumino steckte den Ball geschickt durch zu Janis Ascherl, der wiederum Stevan Anicic in Szene setzte. Anicic zog aus spitzem Winkel ab und beförderte die Kugel unter Mithilfe des Bad Boller Schlussmanns zum 0:2 in die Maschen. Die Hausherren benötigten einige Zeit, um in die Begegnung zu finden, wurden mit zunehmender Spieldauer aber mutiger. Baran Ates setzte in der 19. Minute einen Volleyschuss aus 18 Metern knapp über das Tor. In der 36. Minute bot sich Noah Ascherl nach einem Ballgewinn in der Heininger Hälfte eine weitere gute Gelegenheit, doch sein Abschluss aus 15 Metern ging über den Kasten. So nahm der FCH seine Zwei-Tore-Führung mit in die Halbzeitpause.
Was sich nach dem Seitenwechsel entwickelte, war aus Heininger Sicht allerdings alles andere als zufriedenstellend. Anstatt mit der komfortablen Führung im Rücken selbstbewusst aufzutreten, das Spiel zu kontrollieren und konsequent auf die Entscheidung zu drängen, ließen die Schwarz-Gelben zunehmend die nötige Entschlossenheit vermissen. Zwar erspielte sich der FCH weiterhin Möglichkeiten, doch im Abschluss fehlte die letzte Konsequenz. In der 62. Minute bediente Meyer den eingewechselten Carmelo Trumino, der den Ball akrobatisch aufs Tor brachte, am Boller Schlussmann jedoch scheiterte. Wenig später wurde ein Abschluss von Giuseppe Pirracchio nach einer gelungenen Kombination über Dennis Kleber und Trumino geblockt. Auf der Gegenseite musste sich FCH-Keeper Paul Heer in der 66. Minute mächtig strecken, um einen präzisen Schuss von Toni Suddoth aus 16 Metern zu entschärfen. Spätestens jetzt war zu erkennen, dass die Gastgeber noch längst nicht aufgegeben hatten. Den Heiningern gelang es dagegen nicht, die Partie zu beruhigen oder mit dem dritten Treffer zu entscheiden. Zu viele Ungenauigkeiten, mangelnde Konsequenz in den entscheidenden Situationen und fehlende Kontrolle über das Spielgeschehen brachten Bad Boll immer wieder zurück in die Begegnung. Auch offensiv ließ der FCH die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen. Bent Hofele zielte in der 68. Minute am Tor vorbei, während Pirracchio in der 74. Minute bei einer weiteren guten Gelegenheit zu lange mit dem Abschluss wartete.
Was folgte, war ein regelrechter Einbruch in der Heininger Defensive. In der 79. Minute konnte der FCH den Ball nach einem Boller Eckstoß nicht entscheidend klären. Felix Strodel nutzte das Durcheinander im Strafraum und verkürzte auf 1:2. Der Anschlusstreffer gab den Gastgebern zusätzlichen Auftrieb, während bei Heiningen die Verunsicherung spürbar zunahm. Nur drei Minuten später kam Anes Handanagic im Strafraum zum Abschluss und stellte auf 2:2 (82.). Innerhalb kürzester Zeit hatte der FCH seine komfortable Führung verspielt. Anstatt sich gegen den drohenden Punktverlust aufzubäumen und wieder selbst die Initiative zu ergreifen, blieb die Mannschaft zu anfällig. Dennoch bot sich Giuseppe Pirracchio in der 89. Minute die große Gelegenheit, Heiningen erneut in Führung zu bringen. Nach einem Zuspiel von Dennis Kleber scheiterte er jedoch am Boller Torhüter. , Als sich bereits alles auf eine Punkteteilung eingestellt hatte, folgte in der Nachspielzeit der endgültige Nackenschlag. Der gerade erst eingewechselte Pascal Hartmann, der vor dem Derby reaktiviert wurde, traf in der 92. Minute mit seinem ersten Ballkontakt zum 3:2 für die Gastgeber und versetzte dem FCH damit den entscheidenden Schlag. Heiningen warf in den verbleibenden Minuten noch einmal alles nach vorne. In der 95. Minute gab es einen Freistoß aus zentraler Position, rund 17 Meter vor dem Tor. Pirracchio übernahm die Verantwortung, setzte den Ball allerdings deutlich über den Kasten. Kurz darauf war Schluss.
So steht der 1. FC Heiningen nach einer zwischenzeitlichen Zwei-Tore-Führung am Ende mit leeren Händen da. Besonders die Art und Weise, wie die Mannschaft das Spiel in der zweiten Halbzeit aus der Hand gab, muss kritisch hinterfragt werden.
Wer auswärts mit zwei Toren führt, sollte in der Lage sein, einen solchen Vorsprung mit der nötigen Konzentration, Zweikampfstärke und konsequenter Defensive über die Zeit zu bringen. Genau diese Eigenschaften ließ der FCH insbesondere in der Schlussphase vermissen. Dass innerhalb von nur 13 Minuten drei Gegentreffer fielen, ist dabei ebenso ernüchternd wie die Tatsache, dass die Heininger ihre eigenen Möglichkeiten zur vorzeitigen Entscheidung ungenutzt ließen. Wer in der Landesliga bestehen will, darf sich einen solchen Leistungsabfall und derartige Nachlässigkeiten nicht erlauben.
1.FC Heiningen: Heer, Weihler (52. Hrabar), Mayer, Erhart, Fernandez, Meyer, Hofele (84. Schubarth), Trumino (76. Vincek), Pirracchio, Anicic (72. Baybüyük), Ascherl (59. Kleber)
Tore: 0:1 Carmelo Trumino (3.), 0:2 Stevan Anicic (9.), 1:2 Felix Strodel (79.), 2:2 Anes Handanagic (82.), 3:2 Pascal Hartmann (90.+2)
Schiedsrichter: Dominik Barth (Mögglingen)
Zuschauer: 275





